Zeit: Seit Ende 2009
Orte: 12 Objekte in Hamburg, ein Objekt in Norderstedt, vier Objekte in Lage, eines in Rietberg und ein Objekt in Bad Salzuflen (alle NRW)
Die Hamburger Staatsanwaltschaft und die Abteilung Organisierte Kriminalität (LKA 6) im Hamburger Landeskriminalamt ermitteln gegen sieben Männer im Alter von 27 bis 35 Jahren und weitere Tatverdächtige wegen des Verdachts des Handels mit Kokain. Die Ermittlungen fanden gestern ihren vorläufigen Abschluss mit der Vollstreckung von 19 Durchsuchungsbeschlüssen und der Festnahme von sieben männlichen Beschuldigten im Alter von 29 bis 35 Jahren.
Ursprung für dieses Verfahren waren Ermittlungen gegen eine überregional agierende Tätergruppe, die im November 2009 zu Festnahmen und der Sicherstellung von drei Kilogramm Kokain führten. Aus den in diesem Ermittlungskomplex gewonnen Erkenntnissen ergaben sich Hinweise auf eine weit verzweigte Struktur von Tatverdächtigen, die sich von Hamburg aus im großen Stil am internationalen Handel mit Kokain beteiligte.
Die Fahnder fanden heraus, dass in Paraguay ansässige Drogenhändler aus Sägemehl und Holzkleinteilen Holzbriketts herstellten und diese in Kartons verpackt per Schiff nach Hamburg verschickten. Beigepackt waren diesen Sendungen größere Mengen Kokain, die per Schiff von Asuncion (Paraguay) nach Hamburg gelangten.
Die beauftragten Transportgesellschaften in Paraguay, Hamburg und in Ostwestfalen wussten nichts von diesen Beipacks. Ein 35-jähriger Peruaner wird beschuldigt, diese Lieferungen an einen 31-jährigen Hamburger, der in Palu (Türkei) geboren ist, versandt zu haben. Der 31-Jährige leitete Teile des Kokains weiter in die Niederlande und verkaufte es an weitere Abnehmer in Hamburg. Zwei dieser Abnehmer konnten bereits Ende 2009 in Hamburg festgenommen werden.
In Zusammenarbeit mit der OK-Abteilung der Staatsanwaltschaft Hamburg wurden weitreichende kriminaltaktische Maßnahmen angewandt, um weitere Erkenntnisse zu erlangen. Die Tatbeteiligten wandten hohe Energie auf, um ihre Taten zu tarnen. Sie sandten zwischen November 2009 und März 2010 sechs Container mit 20 Tonnen Holzbriketts nach Hamburg – ohne Beipack von Kokain. Parallel dazu liefen jedoch Vorbereitungen für den Erhalt einer weiteren großen Lieferung.
Hierbei wurden die beiden Haupttatverdächtigen von ihren Mittätern unterstützt. Die Holzbriketts wurden trotz ihres Warenwertes vermutlich überwiegend in den Niederlanden als Müll entsorgt. Sowohl die Fahnder des LKA 63 als auch die Beschuldigten warteten zunehmend elektrisiert auf die Ankunft des siebten Containers, der am 12.04.2010 im Hamburger Hafen von Polizei und Zoll kontrolliert wurde.
31 der insgesamt 32 Paletten waren nicht nur mit Holzbriketts, sondern auch mit ein bis drei Paketen Kokain pro Karton beladen. Das Kokain war sehr professionell verpackt. Die Holzbriketts waren in der Mitte aufgesägt, das Kokain wurde eingebracht und anschließend wurden die Briketts mit Heißkleber verschlossen. Die Fahnder stellten 1.244 Pakete mit unverschnittenem Kokain sicher. Durchgeführte Schnellanalysen ergaben einen sehr hohen Reinheitsgehalt.
Bei dem zugrunde gelegten Kaufpreis von 30.000 Euro pro Kilogramm ergibt das einen Verkaufswert von 39,9 Millionen. Damit handelt es sich um die größte bisher in Deutschland sichergestellte Menge Kokain.
Unmittelbar nach dem Auffinden erfolgte der Aufschlag. Zeitgleich wurden 19 Objekte durchsucht, die Beschuldigten wurden zum Teil an ihren Wohnanschriften vorläufig festgenommen und dem Amtsgericht Hamburg zugeführt, das heute gegen sechs Beschuldigte Haftbefehl erließ.
Die Durchsuchungen führten zur Sicherstellung weiterer Beweismittel und der Beschlagnahme erheblicher Vermögenswerte. Bei einem 28-jährigen Beschuldigten in Hamburg-Hamm wurden insgesamt 450.000 Euro Bargeld gefunden, außerdem wurden drei Daimler Benz sowie
Breitling- und Rolexuhren sichergestellt. Dieser Erfolg konnte nur durch die engagierte und intensive Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Hamburg und des Zollfahndungsamtes erreicht werden.
An dem Einsatz waren mehr als 200 Beamte beteiligt.
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