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Offener Brief an die SPD-Bundestagsfraktion: Tritt das Gesetz in Kraft, trete ich aus der SPD aus

20.06.2009 - 21:39 Moderator No comments

Der 22-jährige Torben Friedrich will aus der SPD austreten sofern das “Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen” in Kraft tritt. Meines Erachtens trifft er die Sache auf den Punkt…

Liebe Genossinnen und Genossen,

mein Name ist Torben Friedrich, ich bin 22 Jahre alt und seit fast vier Jahren Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Vier Jahre, die für einen 22-jährigen bedeuten, daß er bereits als Jugendlicher politisch aktiv war und mit 18 auch politische Verantwortung übernehmen wollte.

Ich war seit jeher der festen Überzeugung, daß in einer gerechten und demokratischen Gesellschaft die Werte Solidarität, Gleichheit und Freiheit unerläßliche Bestandteile sind, die nie ihre Gültigkeit in einer Gemeinschaft verlieren können, die auf Vernunft und Gemeinwohl aufgebaut ist.

Mir war auch stets bewußt, daß diese Werte keine Selbstverständlichkeit sind, sondern daß in einer sich stetig weiterentwickelnden Gesellschaft um sie ständig gekämpft werden muß.

Meine Überzeugung war es, daß die SPD diesen Kampf am energischsten führt und ich wollte sie in ihrem Bestreben tatkräftig unterstützen.

Heute, am 17.06.2009, wird mir bewußt, daß ich mich möglicherweise getäuscht habe.

Ich vertrete eine Generation, die vollständig mit digitalen Medien aufgewachsen ist, mehr noch, eine Generation, die den Wechsel von analogen zu digitalen Medien nicht bewußt erlebt hat.

Das bedeutet, daß ich bereits seit der Grundschulzeit mit Eltern, Lehrern und Freunden auf digitalem Wege kommuniziert habe, entsprechende Lehrpläne waren bereits um Jahre veraltet.

Mit meinem Eintritt in der SPD war mir bewußt, daß bereits unter rot-grüner Regierung eine Politik betrieben wurde, die nicht den Ansprüchen einer digitalen Gesellschaft genügte. Dies wollte ich ändern.

In den vergangenen vier Jahren der großen Koalition konnte ich jedoch noch weniger Hinwendung zu unserer Generation und ihrer speziellen Belange feststellen, weder in der SPD, noch in anderen etablierten Parteien.

Dennoch habe ich mich seit Beginn des Jahres in besonderem Maße politisch engagiert und stellte mich sogar für die Bundestagswahl auf der Landesliste Niedersachsen als Kandidat zur Verfügung.

Ich sah seit Jahresbeginn, wie die große Koalition die gesamte Lebensweise meiner Generation in Frage stellte und massiv bekämpfte.

Für meine Generation völlig selbstverständliche Freizeitaktivitäten, von einzelnen Computerspielgenres bis hin zu sportlicher Betätigung wie Paintball sollten verboten werden. Mitglieder von Schützenvereinen hingegen, die zu Hause mit Kriegswaffen hantieren, blieben unbehelligt und durch die große Koalition protegiert.

Dies sind jedoch geradezu vernachlässigbare Auswirkungen eines seit langem bestehenden Generationenkonfliktes, der seit jeher die Probleme gesellschaftlichen Wandels widerspiegelt.

Was am morgigen Donnerstag von der großen Koalition und somit auch von meiner Partei beschlossen werden soll, hat nichts mehr mit einem erklärbaren Unverständnis zwischen zwei unter verschiedenen Verhältnissen aufgewachsenen Generationen zu tun, sondern verletzt das Rechtsempfinden von vielen Bürgern jeglichen Alters.

Morgen wird der Bundestag einen Gesetzesentwurf zur Abstimmung bringen, der zwar zur Bekämpfung eines brisanten Problems – Kinderpornographie im Internet – dienen soll, dabei jedoch jegliche Grundsätze der rechtsstaatlichen Verhältnismäßigkeit verletzt.

Das Gesetz sieht vor, Kinderpornographie im Internet nicht zu entfernen, sondern nur zu verdecken, um es Konsumenten dieses menschenverachtenden Materials zu erschweren, dieses zu betrachten. Dieses Gesetz verlangt perfiderweise, das zu tun, was den Mißbrauch der Kinder zum zweiten Male noch schrecklicher macht: Wegzusehen.

Wegsehen bedeutet in unserer Gesellschaft nichts anderes, als das Geschehene zu tolerieren.

Ich jedoch als 22jähriger Bundesbürger sehe bei jeder gesperrten Seite, die mit einem Stoppschild verdeckt wird, das Versagen unseres Rechtsstaates, da er nicht in der Lage war, dieses Verbrechen effektiv zu bekämpfen, sondern auf ein Mittel zur Zensur zurückgreifen mußte.

Dies birgt die größte Gefahr im morgen zu verabschiedenden Gesetz: Die Erklärung unseres Staates, gegen Rechtsverletzungen machtlos zu sein.

Wo wird die Grenze gezogen?

Noch endet die Sperre bei Kinderpornographie. Ein abscheuliches Verbrechen. Doch wann wird der Staat auch vor weniger schweren Rechtsverletzungen kapitulieren und keinen anderen Weg sehen, als lediglich die Darstellung wenig wirksam zu erschweren?

Hier wird eine Infrastruktur geschaffen, die zukünftigen Regierungen ermöglicht, Zensur zu betreiben.

Welche Inhalte werden dann möglicherweise als unerwünscht betrachtet werden? Tierquälerei? Gewalt? Volksverhetzung? Extremismus? Politische Opposition? Kritik?

Wo wird die Grenze gezogen?

Die Grenze muß meines Erachtens hier und heute gezogen werden, ohne ein solches Gesetz.

Wir dürfen den Kampf gegen solch schwerwiegende Verbrechen wie den Mißbrauch von Kindern nicht aufgeben. Wir müssen effektiv gegen Hersteller solchen Materials vorgehen, nicht gegen das Medium, auf dem es verbreitet wird. Mißbrauch geschieht in der Nachbarschaft, nicht im Internet.

Wenn die SPD als Teil der großen Koalition sich durch Zustimmung zu diesem Gesetzesentwurf eingesteht, daß eine effektive Bekämpfung durch unsere gegebenen gesetzlichen Möglichkeiten nicht erreicht werden kann, sehe ich keine andere Möglichkeit, als meine politische Aktivität anderweitig zu konzentrieren.

Wenn Zensur auf dem Rücken mißbrauchter Kinder durchgesetzt werden soll, wenn das Medium, das meinen Lebensalltag bestimmt und mitbestimmen wird, staatlicher Willkür ausgesetzt wird, wenn die SPD sich von meiner und von zukünftigen Generationen vollständig verabschiedet, bin ich nicht länger bereit, in dieser Partei mitzuwirken.

Die Werte der Sozialdemokratie trage ich weiterhin mit mir und werde diese auch zukünftig vertreten.

Wenn jedoch am morgigen Tage die SPD dieses Gesetz ermöglicht, werde ich der SPD den Rücken kehren.

Tritt das Gesetz in Kraft, trete ich aus der SPD aus und verabschiede mich von einer meiner Generation fremden Partei.

Hochachtungsvoll

Torben Friedrich

Offener Brief von Torben Friedrich an die Bundestagsfraktion der SPD

Opel, Service und die Not

18.04.2009 - 12:25 HA No comments

Mich wundert es nicht, daß es Opel schlecht geht. Haben es die Verantwortlichen (Management) doch jahrelang verpasst eine moderne und marktgerechte Modellstruktur zu realisieren und – vor allem – eine kundenorientierte Servicelandschaft aufzubauen. Alle anderen namhaften Hersteller von Automobilen verfügen seit etlichen Jahren über einen Service-Notdienst der es ermöglicht z.B. auch an Wochenenden Reparaturen durchführen zu lassen – bei Opel – Fehlanzeige! Gehen Sie doch mal am Donnerstag um 16:50 zu einem Opel-Händler und bitten Sie dort jemanden den Fehlerspeicher Ihres Fahrzeugs auszulesen. Mit wurde gesagt: “Geht nicht, keine Lust – wir machen gleich Feierabend”. Dem Händler aus Offenbach (Main) scheint es also sehr gut zu gehen! Erst vor einiger Zeit ging Georg von Opel aufgrund Mißmanagements pleite. Auch ich habe noch eine Menge Euros (per gerichtlichem Titel festgehalten) von dem Autohaus zu bekommen. Unglaublich!

Und bei Opel scheint die Überheblichkeit kein Ende zu haben. Nachdem sie jahrelang im Konzern Mist gebaut haben soll nun der Steuerzahler herhalten und das Gejammer in der Führungsetage ist groß. Aber ein vernünftiges Konzept zur zukünftigen Sicherung können sie nicht aufstellen. Aber den Stuhl räumen sie nicht – klar bringt ja auch gutes und sehr hohes Einkommen.

Systemrelevant ist Opel nicht. Und die Arbeitsplätze? Klar – aber warum jetzt mehrere Milliarden investieren und dann später, nach der Pleite, die kommen wird, wenn der Hype um das derzeit goldene Kalb “Insignia” rum sein wird, die ganze Arbeitslosenunterstützung zusätzlich bezahlen. Alte Kaufmannsregel: Man wirft schlechtem Geld kein gutes hinterher! Und nur den Betriebsrat vorzuschicken zeugt nicht gerade von Mut und Zuversicht.

Es gibt keine Einsicht bei Opel. Im deutschen Splitterbetrieb von General Motors schiebt man alles auf den großen, amerikanischen Bruder und fühlt sich frei von Schuld. Solange das so ist: Keine Kohle für Opel! Dann lieber gleich die Stütze bezahlen für die arbeitslos werdenden Angestellten und Arbeiter – ohne vorher noch Milliarden reinzupumpen.

Hello Mr. President

06.04.2009 - 16:58 HA No comments

Ja – auch mir gefällt der (neue) amerikanische Präsident recht gut. Erinnert mich ein wenig John Fitzgerald K. Auch er war äußerst charismatisch, hatte viele neue Ideen, trat für Liberalität ein und hatte eine hübsche Frau. Barack Hussein Obama scheint in dessen Fußstapfen zu wandeln – nicht inhaltlich – vielmehr taktisch. Sehr auf die öffentliche Meinung bedacht, tritt er (meist) sicher auf – wenn es mal nicht so ganz klappt zupft zumindest die Bundes-Angela am Ärmel.

Ihr Besuch hier in Deutschland und Frankreich war publizistisch betrachtet ein voller Erfolg. Hoffentlich folgen Ihren guten Ideen auch die notwendigen harten Fakten – nur mit gutem Willen bleibt es ein frommer Versuch. Aber nach der Bush-Ära ist allein schon das eine Erholung.

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Website des BKA wieder ohne Überwachung

22.03.2009 - 19:39 HA No comments

Nach mehr als acht Jahren gängiger Praxis hat das Bundeskriminalamt nun die Beschnüffelung ihrer (Internet-) Besucher aufgegeben. Auf Weisung des Bundesinnenministeriums mußte das BKA die Auswertung des Klick-Verhaltens (Ermittlung der Personendaten über die IP-Adresse) eingestellt werden. Zuvor jedoch teilte das Bundesjustizministerium dem Innenminister mit, daß sie diese Vorgehensweise für zumindest rechtlich fragwürdig halte. Auch Peter Schaar, oberster Datenschützer Deutschlands, kritisierte diese Vorgehen des BKA vor längerem.

Dem schloß sich nun auch Innenminister Schäuble an und veranlasste die Einstellung der präventiven Ermittlungsmaßnahme, wobei jeder Besucher der Website des BKA erfasst und seine Personendaten ermittelt wurden. Insbesondere wer beispielweise einen Fahndungsaufruf mehrfach anklickte machte sich verdächtig. Man unterstellte, daß der Eine oder Andere ein besonderes Interesse an seiner eigenen Ausschreibung haben könnte.

Ob aus den bisher gesammelten Daten bereits Ermittlungsverfahren abgeleitet wurden und was mit den Daten passierte (gespeichert? gelöscht? Fristen? …) ist unbekannt.

(Quelle Spiegel)

Heimliche Onlinedurchsuchung für die Strafverfolgung

17.03.2009 - 12:46 HA No comments

Wie man sich gerne erinnern mag, schworen der Bundesinnenminister, der Präsident des Bundeskriminalamts und namhafte Politiker hoch und heilig, daß die heimliche Onlinedurchsuchung (‘Bundestrojaner’) ausschließlich, einzig und nur zur Terrorismusbekämpfung genutzt werden soll. Naja..

Wie die Generalbundesanwältin Harms verlauten ließ (in einem Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt), sieht Sie kein Problem, die kürzlich etablierte heimliche Durchsuchung von privaten Personal Computern auch für die reguläre Strafverfolgung einzusetzen. Sie sei eher verwundert über die kontroverse Diskussion in der Öffentlichkeit. Einerseits geben die Menschen überall und freiwillig im Internet ihre privaten bzw. persönlichen Daten an und andererseits beschweren sie sich über die Onlinedurchsuchung.

Die Abfrage von Kontodaten galt zu beginn auch ‘nur’ der Verfolgung von Steuersündern in begründeten Einzelfällen sowie der Verhinderung von terroristisch motivierten Straftaten. Mittlerweile ist die vereinfachte Kontenabfrage nahezu usus. Steuer-, Brief- und Postgeheimnis sind löchrig geworden wie ein schweizer Käse. Die Mautdaten auf bundesdeutschen Autobahnen sind auch nur zur Erfassung von LKW’s und der entsprechenden Gebührenabrechnung gedacht. Und wer an die Vorratsdatenspeicherung denkt…